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Das Serien-Wunder

























Die ästhetische Revolution des Fernsehens oder das Jahrzehnt, in dem das Fernsehen bestimmte, wo es lang geht

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde das Fernsehen zu einem Leitmedium, welches sich nicht nur durch Popularität, sondern auch durch sozio-kulturelle Eindringlichkeit auszeichnete. Dies lag ohne Zweifel vor allem an der Qualität neuer TV-Serien. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass in einer Dekade des kulturellen Antiamerikanismus ausgerechnet aus den USA innovative Programme kamen, die für hohe kulturelle und gesellschafts-analytische Qualität standen, und somit unsere Sehgewohnheiten nachhaltig veränderten. Das Fensehen hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (mit einigen zeitlichen Vorläufern) das in der Vergangenheit als seichte Ablenkungsware und Programmfüller angesehene Format als eigentliches Referenz- und Erfolgskonzept für das eigene Medium neu entdeckt. Fernsehserien galten lange als zweitklassiges Entertainment. In den letzten 10 bis 15 Jahren haben sie sich jedoch vom Medientrash zur Kunstform mit immer noch hohem Unterhaltungsfaktor entwickelt.

Was per Sender oder DVD aus den Staaten auf die hiesigen Bildschirme gelangte, hat so nicht nur das individuelle und gesamtkulturelle Verständnis von TV-Fiktion, sondern auch die Möglichkeiten des Erzählens, ja des Medium Films selbst neu definiert.

Schon in vorherigen Jahrzehnten hatte es immer wieder glanzvolle, (pop-)kulturell einflussreiche Serien geben. Doch änderte sich mit oder zumindest nach dem frühen 1990er Unikat Twin Peaks etwas an der Herangehensweise in der Entwicklung einer Serie und in der Dramatisierung des Formats. Einzelne Macher (meist als Chef-Drehbuchautor, Entwickler und Produzent) standen für ihre eigene Serie. Sie entwickelten als Autor ein Grundkonzept, führende Charaktere und ihre Entwicklungsrichtungen und einen eine Staffel oder gar eine gesamte Serie überspannenden dramaturgischen Bogen. In den meisten der prägenden herausragenden Serien darf man nicht viele Folgen verpassen, um ihnen handlungstechnisch noch folgen zu können. In anderen wichtigen Serien, wie z.B. Dr. House gibt es zwar nicht immer den einen entscheidenden Handlungsbogen, aber eine durchgehende und fast nur in der Gesamtheit der Serie zu verstehende Charakterentwicklung der Hauptfiguren.

Zur Erklärung des kulturellen Phänomens Serie gehören auch Serien vor dem 00er Jahrzehnt, doch der potentielle kulturelle Hochwert einer TV-Serie wurde erst mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts (an)erkannt. Lynchs Twin Peaks oder Edgar Reitz' Heimat galten zuvor als Leuchtturmprojekte für das eigentlich seichte Fernsehprogramm und vor allem für das Soap-Format Serie. Doch zum Ende der 1990er Jahre änderte sich zuerst die Produktionsform der Serie und danach allmählich die Sichtweise auf sie. Sowohl einzelne Kreative (Matt Groening...; David E. Kelley, Joss Whedon, Chris Carter...) als auch vor allem die innovative Programmproduktion des Pay-TV-Kanals HBO änderten sowohl auf Produzenten- wie auf Konsumentenseite den Blick auf das Serienformat. Auf der einen Seite sah man, dass man mit teuren, intensiv entwickelten Serien dauerhaft erfolgreiche Zuschauerbindung mit nachhaltiger Verwertungsketten erreichen konnte, auf der anderen Seite musste man erkennen, dass die Serie als Erzählform viel romanesker, charaktertiefer, wendungsreicher oder realistischer sein kann als der Spiel-/Kinofilm, wenn ihr als Erzählrahmen nicht die Einzelfolge, sondern eine gesamte Staffel dient.

Mal von Dauerbrennern wie den Simpsons abgesehen, ragten zahlreiche erfolgreiche Programme aus den späten 90ern weit in die Nullerjahre hinein und waren die ersten Beispiele dieser neuen Entwicklungsrichtung. Als etwa mit dem Verschwörungsmarathon Akte X und Joss Whedons Popkulturdrama Buffy the Vampire Slayer zwei stilbildende Serien der Neunziger im neuen Jahrtausend endeten, war es klar, dass es kein zurück gab zur schnell und billig produzierten alten seriellen Erzählform. Denn in der Zwischenzeit hatte HBO angefangen mit teuren, hochwertig produzierten Serien wie Sopranos, Six Feet Under oder The Wire nicht nur die Preisverleihungen und neuerdings die Feuilletons zu erreichen, sondern eine derartige Zuschauerbindung zu erlangen, dass es nahezu alle Sender nach Erfolgskonzepten für Serienformate gierte. Nun gab es auf der Seite der Drehbuchentwicklung teuer bezahlte Star-Autoren (David E.Kelley, Alan Ball), als auch auf der Seite der Schauspieler sehr gut bezahlte Stars, die keine Probleme mehr sahen oder hatten zwischen Fernsehen und Kino hin und her zu springen. Für das amerikanische Free-TV waren es vor allem zwei Produktionen, die die Qualitätsexplosion auch hier zementieren und alle Sender zwangen nach der ihr Image prägenden Serie zu suchen. 24 (Fox) und Lost (ABC) kann man medienhistorisch nicht für sich betrachten, da sie Kinder einer Entwicklung waren (nicht umsonst hat der vielleicht wichtigste Serienmacher des Jahrzehnts J.J. Abrams schon vor Lost das äußerst einflussreiche Alias erschaffen), doch der Mega-Erfolg dieser beiden Serien stellte wohl den kommerziellen und popkulturellen Zenit des Formats dar. Da beide in diesem Jahr ihr Ende fanden, ist es fast ein Zwang sich den verschiedenen Möglichkeiten, Stilen, Genreausrichtungen und Machern des Serienformats zu widmen und dabei einen (nicht kompletten und nur kleinen) Überblick über die besten und einflussreichsten Serien zu liefern.

Um der Komplexität dieses Themas gerecht zu werden, und um möglichst viele Aspekte und Titel benennen zu können, wird es in diesem wie im nächsten Monatstext um "Das Serien-Wunder - Die ästhetische Revolution des Fernsehens oder das Jahrzehnt, in dem das Fernsehen bestimmte, wo es lang geht" gehen.

Die Themen werden lauten:

Die Vorläufer - Prägende Serien vor dem Jahrzehnt des Serienbooms
(NYPD Blue, Miami Vice, Picket Fences, Twin Peaks, Heimat, Für alle Fälle Fitz, Allein gegen die Mafia, Star Trek-Franchise, Emergency Room, M.A.S.H., Simpsons, Murder One)

HBO - Die Qualitätsmaschine
(The Wire, Sopranos, Six Feet Under, True Blood, Deadwood, Rom...)

Animation - Nicht unbedingt für Kinder
(Simpsons, Futurama, American Dad, Family Guy...)


Thrill und Paranoia - Experimentelle Spannungsdramaturgie in Serie
(24, Lost, Jericho, 4400, Regenesis, Alias)

Das Mystery- und Fantasy-Phänomen - Mit oder ohne Vampire
(Akte X, Buffy, True Blood, Eureka, Supernatural, Fringe, Heroes, Life on Mars...)

SF - Die Schwierigkeiten einer Fortentwicklung eines erzähl-konservativen Genres
(Star Trek, Star Trek: The Next Generation, Star Trek: Deep Space Nine, Star Trek: Voyager, Stargate Kommando, Battlestar Galactica, Firefly, Terminator: The Sarah Connor Chronicles,...)

Die Polizei-, Mafia und Kriminalserie als Gegenwartsroman
(Sopranos, The Wire, The Shield, The Closer)

Die Historien-, Kriegs- oder Politserien - Der Hunger nach Drama und Authentizität
(Deadwood, Rom, West Wing, Band of Brothers, Mad Men,...)

Comedy und Satire - In jedem Lacher steckt ein Drama oder alles wird Comedy
(Californication, Two and a Half Men, Weeds, Boston Legal, Simpsons, Gilmore Girls, Sex and the City, Dr. House, Nip/Tuck, Monk,...)


Die wichtigsten Serienschöpfer

- David E. Kelley - Zwischen Liberalismus, Politik und Screwball
(Picket Fences, Boston Legal, Ally McBeal...)

- J. J. Abrams - Der postmoderne Mainstream-avantgardist
(Alias, Lost, Fringe)

- Joss Whedon - Der popkulturelle Erzähler
(Buffy, Angel, Firefly)

- Alan Ball - Der melodramatische Satiriker der Moderne
(Six Feet Under, True Blood)

- David Simon - Der amerikanische Neorealist und Chronist der Gegenwart
(The Wire, (Generation Kill)(Treme))


Michael Leonards


























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